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Eine Bühne!

Am 17. März sollte in Zürich eine Podiumsdiskussion zwischen Marc Jongen, Olivier Kessler Jörg Scheller und Laura Zimmermann stattfinden. Gegen diese Veranstaltung regte sich massiver „linksradikaler“ Protest, u. a. gab es einen auch von einigen Frankfurter unterzeichneten Offenen Brief, in dem neben Marc Jongen auch Jörg Scheller massiv angegriffen wurden, letzterer in völliger Verzerrung seiner Aussagen und seiner politischen Position.1)Aus Frankfurt unterzeichneten den Brief u. a. die Philosophen Daniel Loick & Thomas Seibert. Ansonsten unterzeichnete den Brief u. a. die in Berlin ansässige Autorin Kristin Flade, die schon in anderem Kontext bewies, dass sie ein Problem mit einer offenen Debattenkultur hat.

(Hier dazu die sehr treffende Antwort von Scheller.)

U. a. nach Androhung „linksradikaler“ Gewalt und einer Gegenveranstaltung wurde das Podium nun abgesagt. (Dazu wiederum ein Kommentar von Scheller.)

Ich gebe Scheller und anderen Kommentatoren 2)Vgl. etwa hier, hier und dort. recht, dass die Absage und ihre Umstände den Autoren & Unterzeichnern des „Offen Briefs“ ein Armutszeugnis ausstellt: So, als ließen sich keine Argument gegen AfD & Co. finden.

Ich finde an der Argumentation des Briefs einzig einleuchtend, dass es wirklich so ist, dass von der AfD kulturpolitisch wenig Toleranz gegenüber kritischen Kulturprojekten zu erwarten ist und dass die AfD oder eine ihr nahestehende Organisation vermutlich kein derartiges Podium ausrichten würde. Andererseits zeugt dies doch gerade von der Schwäche der AfD und nicht von einer Stärke. Und wieso sollte man diese Schwäche gerade beim Kampf gegen die AfD kopieren? Bezeugt man dabei nicht gerade die eigene und bestätigt das Ressentiment der AfD-Wählerkreis gegen die „linksliberale Elite“? Bestätigt man dabei nicht gerade die Kritik am Konzept der „political correctness“?

Traurig zumal, dass man ausgerechnet meint, gegen Jörg Scheller so massiv polemisieren zu müssen, obwohl gerade der in zahlreichen Artikeln immer wieder gegen die AfD und Jongen polemisiert und die Kritik im Handgemenge nicht scheut3)Vgl. dazu auch meine Diskussion mit ihm hier auf dem HARPblog. – etwas, dessen sich zahlreiche „linksradikale“ Akademiker lange schon zu schade sind, da sie ja die „Wahrheit“ bereits zu kennen und sie nicht mehr argumentativ zu behaupten müssen brauchen. Der Unterschied zu auftrumpender Arroganz verschwimmt dabei. (Dialektik von „post truth“ und „truth“ könnte man das ein wenig hochtrabend nennen.)

Auch Adorno war sich ja etwa seinerseits nicht zu schade gewesen, mit Gehlen in einen offenen Disput zu gehen. Und jeder, der dieses Fernsehgespräch kennt, wird anerkennen, dass Adorno dort Gehlen schlicht gegen die Wand redet und klar als „Sieger“ (sofern es sowas im Feld der Theorie je gibt, Adorno selbst kritisiert ja die Einstellung, in einer Diskussion um jeden Preis Recht behalten zu wollen zu Recht als geistesfeindlich) hervor.

Wäre die linke Diskurswende in den 60ern und 70ern möglich gewesen ohne die Courage und intellektuelle Offenheit von Leuten wie Adorno, der sich nicht mal zu fein war, als Emigrant mit einem NSDAP-Mitglied zu diskutieren? Und was machen seine selbsternannten Erben daraus?

Ich wäre auf das Resultat dieses Schlagabtauschs jedenfalls gespannt gewesen …

 

Fußnoten   [ + ]

1. Aus Frankfurt unterzeichneten den Brief u. a. die Philosophen Daniel Loick & Thomas Seibert. Ansonsten unterzeichnete den Brief u. a. die in Berlin ansässige Autorin Kristin Flade, die schon in anderem Kontext bewies, dass sie ein Problem mit einer offenen Debattenkultur hat.
2. Vgl. etwa hier, hier und dort.
3. Vgl. dazu auch meine Diskussion mit ihm hier auf dem HARPblog.

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