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Darf uns der Staat zum Lügen zwingen?

Da der folgende Text wahrscheinlich mal wieder den Rahmen dessen sprengen wird, was man gemeinhin als Philosophie bezeichnet bzw. schlimmer noch, vielleicht diesen Rahmen gar nicht wirklich ausfüllt, weiß ich nicht, ob ich mit meinem Übermaß an Authentizität nicht wieder einmal auf Unverständnis stoßen werde. Um Authentizität bzw. Offenheit soll es jedoch auch dieses Mal gehen. (Vielleicht auch im Sinne der kommenden Narthex-Ausgabe.)

Unabhängig davon, ob man Greta Thunberg als quasi krankheitsbedingte Expertin in einem wichtigen Menschheitsproblem ernst nimmt oder von ihr genervt ist, fällt auf, dass ihre Beharrlichkeit und Unfähigkeit, „Widersprüche auszuhalten“ als Symptom gedeutet wird.


Der Mensch weiß um den Klimawandel, macht aber nichts dagegen. Asperger-Betroffene halten keine Widersprüchlichkeit aus, deshalb fehlt ihr dafür jegliches Verständnis. 1)http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Gretas-Unbeirrtheit-hat-auch-mit-Asperger-zu-tun

weiß da „Andries Korebrits, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Leipziger Helios Park-Klinikum“ zu sagen.

Es wäre sicherlich ein interessanter Gegenstand philosophischer Untersuchen, der Frage nachzugehen, wann eigentlich die Fähigkeit das Eine zu sagen und das Andere zu denken von einer Charakterschwäche zur Tugend erklärt wurde, so sehr sogar, dass die Unfähigkeit zu lügen als Symptom einer Krankheit namens Asperger-Autismus erscheint.

Wie Slavoj Žižek in den Unmengen seiner auf Youtube auffindbaren und sich teilweise bis ins Detail ähnelnden Vorträge am Beispiel der Porno-Industrie darstellt, besteht der Totalitarismus im Zeitalter der Auflösung personaler Herrschaft nicht darin, dass er Knechte als Objekt seinem Willen unterwirft, sondern dass er in ihrer Unterwerfung formal Gleiche in eine bestimmte Art von Subjektivität zwingt.

Ob man Žižek zustimmen sollte, dass dies eine brutalere Art der Herrschaft sei als die direkte, die Herr und Knecht noch eindeutig benennt, daran habe ich doch meine Zweifel. Jedoch glaube ich, dass sie aufgrund ihrer verdrehten, undurchsichtigen Struktur tatsächlich schnurstracks in die psychische Krankheit führt.

Um den abstrakten Gedanken konkret zu machen: Hartz IV zwingt die Bürger Deutschlands nicht zum Arbeiten, sondern zum Arbeitenwollen. Während das Nicht-Arbeiten nicht gleich die Todesdrohung durch Verhungern und Wohnungsverlust nach sich zieht, wird genau diese Drohung durch Sanktionen denen gegenüber ausgesprochen, die nicht den Willen demonstrieren, jede noch so dumme und sinnlose Tätigkeit mit Freude und innerer Überzeugung zu erledigen.

Da es den meisten Menschen unmöglich ist, sich für einen Job als Lagerarbeiter zu bewerben und die an sie gestellte Anforderung, vom sinn- und freudespendenden Charakter dieser Arbeit überzeugt zu sein, ohne Verstellung zu vertreten, macht Hartz IV die Lüge zum Gesetz. Zur Bedingung des eigenen Überlebens wird die Vortäuschung von Sinn-Orgasmen gemacht, um im žižekschen Bild zu bleiben. Allen Menschen wird die bürgerliche Subjektivität derer aufgezwungen, die Freude an ihrer Arbeit haben.

Natürlich zieht eine solches Statement wie meines schnell den Vorwurf nach sich „das Kind mit dem Bade auszuschütten“, also eine ehrliche Barbarei einer gekünstelten und verlogenen Zivilisation vorzuziehen. Den Vorwurf, ein Autist zu sein, ziehe ich jedoch gerne auf mich, wenn ich hier die Hoffnung äußere, dass auch noch Andere daran glauben könnten, dass es möglich ist, sich nicht an den Hals zu gehen und dennoch nicht im Modus permanenter Täuschung zu agieren.

Jedenfalls fällt es mir schwer, daran zu glauben, dass die Trennung des Notwendigen vom moralisch Richtigen, welche von der Trennung des Lebens in Lohnarbeit einerseits und politischem Engagement in der Freizeit andererseits impliziert wird, irgendeinen zivilisatorischen Effekt hat. Vielmehr wird darin die Fähigkeit eingeübt, sich vom eigenen Mitmachen zu distanzieren.

 

Fußnoten   [ + ]

1. http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Gretas-Unbeirrtheit-hat-auch-mit-Asperger-zu-tun

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