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Gastbeitrag: Erklärung für Antifaschist*innen

Wir sind ein bisschen stolz darauf, heute einen Gastbeitrag zu veröffentlichen, an dem auch Giorgio Agamben mitgewirkt hat (s.u.), der als einer der bedeutendsten kritischen Philosophen der Gegenwart gilt. Aber auch unabhängig davon ist dieser wichtige Aufruf unbedingt lesenswert.

Erklärung für Antifaschist*innen

der Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand Berlin

mit Giorgio Agamben (s. u.)

 

Wir sind — ohne jeden Zweifel — Antifaschist*innen. Unsere Leben geben nichts anderes her, unsere Publikationen, unser ganzes Tun und Lassen, unser Sprechen, Gehen und Stehen, unser Lebensstil, unser Freundes- und Bekanntenkreis seit jeher. Und in diesem antifaschistischen Sinn agieren wir auch jetzt. Im Moment der Ausserkraftsetzung sämtlicher Freiheitsrechte durch die Regierung, halten wir es mit der Aufklärung und den Errungenschaften der liberalen Revolutionen seit 1789, die wir nun mit allen, die dazu ernsthaft willens und in der Lage sind, verteidigen müssen: Freiheit & Gleicheit & Geschwisterlichkeit! Das war und ist immer die Haltung aller Linken seit 1920 gewesen: Vorwärts immer, rückwärts nimmer.

Nicht wir haben den Antifaschismus verlassen, einige wenige, hausintern keinesfalls unwidersprochene, einzelne taz-Redakteur*innen haben in einem Moment des digitalistischen Home-Office-Betriebes (!) ihre Machtposition während des Notstands-Regimes verwendet, um die Résistance zu diskreditieren. Es wird ihnen nicht gelingen, zumal weder sie selber, noch die taz in ihrem Zustand der letzten Jahre, irgendein Standing innerhalb der außerparlamentarischen Linken behaupten können.

Wir stehen auf dem Standpunkt der historischen Antifaschistischen Aktion. Wir sind aus Arbeiter*innen-Umfeldern, -haushalten oder stehen der intellektuellen Linken nahe. Wir haben zum Thema der Transformation, des Müßiggangs, des Hedonismus und der Revolution publiziert, dafür gekämpft und eine Vielzahl an Projekten dafür gemacht — und dies schon immer und ohne Ausnahme. Jetzt ist die Antifaschistische Aktion tatsächlich gefragt.

Wir vollziehen gut nach, dass viele von uns noch etwas länger brauchen, um zu begreifen, was mit uns gemacht wird. Dass dies kein Testlauf ist. Dass uns in menschheitsgeschichtlich beispiellosem Umfang totalitäre Verhältnisse aufgezwungen wurden. Dass die Opposition unterdrückt wird. Dass ALLE Versammlungsrechte aufgehoben wurden — für alle Menschen und alle Anliegen.

Wir brauchen in einer solchen Situation eine Art des Sprechens, die Arbeiter*innen nicht verschreckt. Bitte arbeitet Euch daran ab, dass wir mit einer totalitären Biopolitik konfrontiert sind. Was geschieht, ist kein humanistisches Epoché, sondern müsste erst von uns allen dazu gemacht werden. Dann gibt es Hoffnung. Ohne unsere Verteidigung der erreichten liberalen Standards, wird es ein Realität gewordener Horrorfilm bleiben. Denn wenn der liberale Abwehrkampf misslingt, wird eine nationalistische Opposition an unsere Stelle treten.

Mit dem Komitee gesagt: „JETZT!“

Wir verteidigen hier nicht weniger als ALLES.

Lasst uns jetzt nicht alleine.

Anselm Lenz, Hendrik Sodenkamp, Batseba Ndiaye, Gabriella Ogagwo für die Kommunikationsstelle — mit Unterstützung von Giorgio Agamben (s. u.).

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