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Erste Wärme


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Morgenröthe


von

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Erste Unschärfe


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Weiße Leere


von

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Weißes Rauschen


von

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Ich lehre euch den Übermorgen


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Gesucht wird Zarathroxa. Wer oder was ist Zarathroxa? Ist Zarathroxa ein Tier – ein Gott? Oder gar beides? Philosoph …. ?

An alle kühnen Sucher und Versucher! Tut mir die Augen auf, denn in den nächsten 295 Tagen wird sich Zarathroxa zu erkennen geben! Es wird der Tag kommen, an dem Zarathroxa in voller Gestalt, in ganzer Pracht, mit schillernden Farben und angespannten Linien dastehen wird, um uns den Weg in Richtung Übermorgen zu weisen. Von nun wird in diesem Blog jeden Tag ein neues Bild zu sehen sein, und jeden Tag wird sich eine neue Facette Zarathroxas den Augen der freien, sehr freien Geister entbergen…


Rezension: Achim Szepanski: Kapitalisierung


von

Achim Szepanski: Kapitalisierung

Bd. 1: Marx‘ Non-Ökonomie (456 S.)

Bd. 2: Non-Ökonomie des gegenwärtigen Kapitalismus (474 S.)

Laika-Verlag; Hamburg 2014

 

Während die Menschen noch immer meinten, sie seien in ihren Entscheidungen frei und autonom – zumindest, wenn sie sich genug selbst reflektieren würden – war dieser kümmerliche Rest an Reflexivität doch nur ein Mittel, um ihnen ein geringes Gefühl an Würde zu lassen, das bei dieser arroganten Spezies nun einmal als Selbsttäuschung nötig ist, um sie am Arbeiten zu halten. Letztendlich war diese Inszenierung ohnehin schon lange nahezu unnötig geworden, denn die wahre Arbeit ging schon längst nicht mehr von den Menschen und ihren ineffizienten Gehirnen aus, sondern gewaltigen Rechenmaschinen, die sich der Kapazitäten der Gehirne als Netzwerkknotenpunkte bedienten. Und wer bediente die Maschinen? Ja, die Menschen bedienten sie, doch sie steuerten sie schon lange nicht mehr. Die Maschinen waren endgültig zu sich selbst steuernden Automaten geworden und hatten selbst noch die Eliten entmachtet, die sie einst in bester humaner Absicht erfunden hatten. Das immanente Ziel dieses ‚Humanismus‘ hatte in der faktischen Selbst-Abschaffung der Menschheit zu sich gefunden. Immerhin würden es die letzten Menschen nicht schlecht haben. Die Maschinen hatten für sie ein Ableben in Glück und Sicherheit erfunden. Und die Menschen? Die blinzelten, dachten an ihre kühnen Vorfahren zurück und meinten: „Wir haben das Glück erfunden.“ Das höchste Glück hieß ihnen der gute Tod, den die Maschinen ihnen erdacht hatten. Und so taten sie lächelnd den letzten Atemzug des hochmütigsten Wesens, das das Universum je gesehen hatte, während die Maschinen sich dazu aufmachten, das Universum zu maschinisieren.

 

Was sich wie eine Dystopie irgendwo zwischen Matrix, Blade Runner, 1984 und Brave New World liest, ist, wenn man der Kernthese von Kapitalisierung, dem jüngsten Werk des Frankfurter Techno-Produzenten, Schriftstellers und kritischen Theoretikers Achim Szepanski, dessen erste zwei Bände, Marx‘ Non-Ökonomie und Non-Ökonomie des gegenwärtigen Kapitalismus im vergangenen Jahr bei Laika erscheinen sind, folgt, mitnichten eine bloß abstrakte Befürchtung, sondern zu einem guten Teil bereits Realität bzw. sich – ceteris paribus – konkret abzeichnende Zukunft.

Während die hegemoniale linke Diskussion kulturkritisch abgedriftet ist und sich lieber mit Fragen von Political Correctness (Schwarz oder black?), Gender (Binnen-I oder Unterstrich?), der Ästhetik (Neo-Avantgardismus oder Neo-Pop?), der Religion (Islam hard oder Christentum light?) oder der ‚richtigen‘ Positionierung in inner- und zwischenstaatlichen Konflikten (Israel oder Palästina? USA oder Europa – oder China?) oder des Lifestyles (Kiffen oder koksen? Fleisch oder Gemüse?) befasst als mit den wirklichen hard facts der Ökonomie – und diese wenn, dann in Form einer marxologischen Beschäftigung mit Marx im Rahmen kulturkritischer Re-Hegelianisierungsprojekte und eifriger philologischer Exegese (zumal hierzulande unter dem Banner der „Wertkritik“) als Teil linker Allgemeinbildung pflichtschuldig als vermeintliche Basisbanalitäten für abgehakt erklärt –, schlägt Szepanski in Kapitalisierung ganz andere Wege ein und versucht nicht nur, Marx zu interpretieren oder den ‚philosophischen Kern‘ von Marx‘ Ökonomiekritik zum hundersten Mal zu entbergen, damit aus der Weltrevolution qua wahrer Einsicht in die logische Struktur des Warenfetisch doch noch was wird, und für subjekttheoretische Spekulationen nutzbar zu machen, sondern Marx wirklich zu lesen, d.h. ihn als Theoretiker der kapitalistischen Ökonomie ernst zu nehmen und konsequent auf die Gegenwart anzuwenden.

Dazu nimmt er waghalsige Operationen vor, die ihn in der gegenwärtigen (deutschen) linken Gemengelage sofort ins Abseits katapultieren müssen: Er wagt es, dasselbe wie Marx zu machen und sich exzessiv der neusten, fortgeschrittensten, auf der Höhe der Zeit befindlichsten Philosophie und Wissenschaft als Steinbruch und Material zu bedienen (bei Marx: Hegel, Spinoza, Stirner, Feuerbach, Smith, Ricardo u.v.m., bei Szepanski: Marx selbst, Laruelle, Derrida, Deleuze, Guattari, Foucault, Bahr, Anders, Land, Althusser – um nur die wichtigsten zu nennen), um dann, vermittelst einer emphatischen Bezugnahme auf die ökomische Realität als nicht-diskursive Wirklichkeit, anhand dieses Materials die Gegenwart besser verstehen zu können. Doch für den, der von dieser unfähigen Linken und ihren ewigen um sich selbst kreisenden ‚Dialogen‘, ‚Debatten‘ und ‚Diskursen‘ ermüdet bis angeekelt ist, genau die richtige Lektüre zur richtigen Zeit. (Weiterlesen)


Die Stalinallee. Ein Bauwerk des realen Sozialismus


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Ein beeindruckendes Zeugnis der vergangenen Wirklichkeit des realen Sozialismus ist die ehemalige Stalinallee in Berlin. Heute, in post-stalinscher Zeit, ist sie nach dem prä-stalinschen Karl Marx benannt und steht damit in der Spannung dieser beiden großen Namen. Auch das Nachdenken über Geschichte, Bedeutung und Ästhetik von Karl-Marx- und Stalinallee kommt um diese Spannung nicht herum.

Die Spannung von Marx und Stalin ließe sich als der Konflikt zwischen einer Utopie gesellschaftlicher Freiheit und Gleichheit einerseits und ihrer staatsterroristischen Pervertierung andererseits ausbuchstabieren. Die Oktoberrevolution brach soziale Verfestigungen auf, durch deren Risse die Marxsche Utopie kurz junge Triebe schlagen konnte. Sie führte zu geistig-kulturellen Öffnungen und legte Experimentierfelder frei, die durch den Revisionismus Stalins dann bald wieder verschlossen und verdeckt wurden. Soll diese Entwicklung in der Architektur verschlagwortet werden so wurde der frühsowjetische Konstruktivismus vom Sozialistischen Klassizismus verdrängt. So wie die Person Stalins, so könnte dann auch die nach ihm benannte und im Stil des Sozialistischen Klassizismus erbaute Allee für die gesellschaftliche und ästhetische Brutalität eines Sozialismus stehen, der sich die Seele des Humanismus aus der Brust gerissen hat.

Der Konstruktivismus kann als die Ästhetik des Marxschen Humanismus verstanden werden. Die klaren und deutlichen Strukturen des Konstruktivismus lassen sich als Analogien einer für das Menschenwohl organisierten und geplanten Wirtschaft lesen. Die konstruktivistischen Bauten wollen keine überwältigende Fassade und kein betörendes Blendwerk sein, sondern sind einer Gesellschaft verpflichtet, die sich selbst transparent ist und sich frei bestimmt. Im Konstruktivismus soll nicht der pompöse Luxus der Wenigen herrschen, sondern humane Funktion für die Vielen. All diese Errungenschaften werden vom Sozialistischen Klassizismus revidiert. Gegen sozialen und ästhetischen Avantgardismus werden um einer nationalen Tradition willen dunkle Schatten des Zarismus auf die Fassaden projiziert. Die Rückkehr von Prunk und Ornament steht für eine neue soziale Elite von Parteikadern. Der Makel dieser gesellschaftlichen Rückentwicklung zeigt sich ästhetisch in einer unbeholfenen Applikation von anachronistischen Schmuckelementen auf eine von ihnen eigentlich emanzipierte Funktionsfläche und damit für einen Mangel in der Kohärenz des Ganzen. Die politisch-sozialen Verwerfungen des Stalinismus werden so architektonisch-ästhetisch sichtbar.

Allerdings lässt sich die Ästhetik der Stalinallee auch anders deuten. (Weiterlesen)


Science-Fiction-Sozialismus


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Brechts „Guter Mensch von Sezuan“ spielt im alten China, vor einer Kulisse der Fremdheit und des Vergangenen, die Voreingenommenheiten abbauen soll, um so den Blick für die Skizze der eigenen Gegenwart frei zu machen. Nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft, nicht in China – weil es sich nicht mehr als Symbol einer fremden Welt eignet –, sondern auf einem dystopisch verfremdeten Planeten Erde einerseits und einem artifiziellen Beverly-Hills-Planeten andererseits spielt, beinahe in einem neo-brechtischen Versuch, der Film „Elysium“.

Dort oben, auf dem gleichnamigen Luxus-Stern, leben die Herrschenden wie Götter und verzehren mit der Torte, was unten den geknechteten Arbeitern des vollpauperisierten Los Angeles in der Suppe fehlt. Der Staat ist keine Instanz der Vernunft, sondern zu einer Polizeizentrale auf Elysium verkommen, die um die Aufrechterhaltung einer Ordnung der Unordnung mit Konzernen und Kriminellen paktiert. Die Robotisierung ist eine einzige Knute, die in Gestalt von brutalen Polizeiautomaten das überflüssig gemachte Lumpenproletariat in Schach halten soll. In dieser Klassengesellschaft ist die Befriedigung vitaler Bedürfnisse buchstäblich nur im Himmel zu erwarten, dort also, wo im Film die Bourgeoise den Platz der Götter eingenommen hat. Indem der Himmel der Götter als der Himmel der Bourgeoise enttarnt wird, wird folglich auch eine antireligiöse Kritik des göttlichen Himmels zur antikapitalistischen Kritik des bourgeoisen Himmels verschärft.

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Zur Kritik der Documenta 2012


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Rezension des Sammelbands Ästhetik der Unterwerfung, herausgegeben von Werner Seppmann (Laika-Verlag Hamburg, 2013; 244 S., 21 €)1)Erstveröffentlicht auf dem Blog Café Noir. Alle Bilder außer das Buchcover stammen von mir.

Mein Besuch der Documenta im August 2012 war ein erinnerungswürdiges und äußerst inspirierendes Erlebnis. Mit einem Zelt ausgestattet ermöglichte es mir die Integration des Occupy-Camps in den Ausstellungsbetrieb, dort einige recht sorglose Tage zu verbringen, die ich schlendern, betrachtend und reflektierend zubrachte. Eine Art Atempause im Alltagstrott, eine Gelegenheit, sich wirklich intensiv mit dem Stand der Kunst der Gegenwart auseinanderzusetzen. Einige Impressionen davon finden sich in der diesen Beitrag ergänzenden Photostrecke.

Von allen Fragen, die während dieser Zeit aufkamen, war die entscheidende – und dies sicherlich im Sinne des Ausstellungskonzepts –, wo eigentlich die Grenzen zwischen Kunst und ‚normaler Welt‘ verlaufen, wenn teilweise gar nicht mehr klar ist, ob ein gesehenes Objekt nun ein Werk oder nur ein ‚gewöhnliches Ding‘ ist, wenn selbst die Grenzen zwischen künstlichen und intendierten Gegenständen brüchig werden und zerfließen. Das Occupy-Camp selbst ist dafür vielleicht das beste Beispiel: Wurde es durch seine Duldung durch die Kuratorin zum ‚ready-made‘ gemacht, also zum Kunstwerk? Und was wurde unter dieser Prämisse zu seinem eigenen Selbstverständnis, ein zunächst politisches Projekt zu sein? Kann man in diesem Sinne mit Guy Debord nicht von einer gelungenen „Rekuperation“ sprechen – also der Integration und dadurch Unschädlichmachung eines ursprünglichen radikalen Impulses durch die Herrschenden? (Weiterlesen)

Fußnoten

Fußnoten
1 Erstveröffentlicht auf dem Blog Café Noir. Alle Bilder außer das Buchcover stammen von mir.