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„Bei“-Trag?


von

Seltsames Wort, oder? Will ich denn in dem Sinne einen Beitrag machen oder nicht vielleicht viel mehr die Sprengung des Rahmens, der mir gesetzt wurde? (Weiterlesen)


Ein Gedicht


von

Ich habe Angst vor dem Tod.

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Vom Loslassen der Kadaver


von

Die zweite hier publizierte Einreichung zum Eos-Preis für philosophische Essayistik stammt von Jonathan Eibisch.

Einige haben vermutet, dass mit dem scheinbaren Triumph von Liberalismus und Kapitalismus diese Geschichte [von Befreiung] nun am Ende ist. Doch das ist unwahrscheinlich. Trotz geringer Beachtung […] kämpfen Millionen von Menschen jeden Tag darum, sich aus der Unterdrückung zu befreien und gleiche Rechte und soziale Gerechtigkeit zu erlangen. Diese Bemühungen werden jedoch häufig von Beobachtern […] als unerklärliche Handlungen verängstigter und verwirrter Menschen (miss-)gedeutet […]. [O]bwohl der liberaldemokratische Kapitalismus weiterhin die Vorstellungen davon prägt, was möglich ist, sollten wir nicht zulassen, dass er die Interessen und Sehnsüchte derjenigen verschleiert und verdeckt, die von ihm marginalisiert und ausgegrenzt werden. (Eric Selbin) 1)Eric Selbin, Gerücht und Revolution. Von der Macht des Weitererzählens, Darmstadt 2010, S. 199.

Revolutionäres Aufbegehren und die Konstruktion neuer gesellschaftlicher Institutionen und Beziehungen entstehen aus der Sehnsucht nach einem gelingenden, abgesicherten, selbstgestalteten Leben, dessen Verwirklichungsbedingungen der sozialistischen Grundintention nach für alle Menschen gegeben sein sollen. In diesem Essay spekuliere ich darauf, in einer historischen Konstellation zu leben, deren kaugummiartige Zähigkeit, sich zu einer offenkundigen Unhaltbarkeit verdichtet hat. Wenn Menschen dagegen gemeinsam feste solidarische Verbindungen erschaffen, eröffnen sie auch einen common ground der Verständigung hin zu neuen Horizonten. Indem sie solche Entwürfe wagen, ermächtigen sie sich zugleich ganz praktisch und alltäglich. Sie entwickeln den Anspruch, die bestehende Herrschaftsordnung zu überwinden.

Die soziale Revolution gelangt als Verdrängtes wieder in den Nebel unserer Träume – weit klarer als ein ahistorischer „Schleier des Nichtwissens“, der über die Engstirnigkeit liberalen Denkens nie hinaus gelangen kann. Es gilt jene hervor quellenden Bestrebungen in Austausch zu bringen, ins Handeln zu kommen und sie zu einem von vielen geteilten neuen Meta-Narrativ zu verdichten. Auch in Folge der im Jahr 1989 kulminierenden Ereignisse, lautet der Name dieses leeren Signifikanten libertärer Sozialismus. Die Einzelne können ein selbstbestimmtes Leben in Beziehung zu den Anderen führen, wenn sie über ihre Lebensumstände kollektiv verfügen. Und wenn sie die zerstörerische Produktions- und Lebensweisen, in denen wir heute verhaftet sind, hinter sich gelassen haben. Doch während wir uns selbst überwinden, unsere Feinde bezwingen, unsere Mitmenschen überzeugen und begeistern, verändern wir uns selbst wie auch unsere Ziele, an denen wir uns ausrichten: Die lebens- und erstrebenswerte Zukunft wird weit langweiliger, ruhiger und anstrengender sein, als wir uns Hier und Jetzt vorstellen. (Weiterlesen)

Fußnoten   [ + ]

1. Eric Selbin, Gerücht und Revolution. Von der Macht des Weitererzählens, Darmstadt 2010, S. 199.

Leerstelle Geschichte


von

Für den diesjährigen Eos-Preis mit der Preisfrage „Was bedeutet 1989 für das Denken von Geschichte?“ (Link) erhielten wir erneut viel mehr sehr gute Einsendungen, als wir prämieren konnten. Einigen von ihnen haben wir angeboten, das Essay stattdessen hier auf dem HARPblog zu publizieren. Das erste dieser Essays stammt aus der Feder von Matthes Bastian.

Leerstelle Geschichte

Geschichtsphilosophie

Die Geschichtsphilosophie war ein Versprechen. Sie war der Versuch, Geschichte und Welt radikal vom Menschen aus zu denken, dem es innerhalb eines linearen Strebens des Geschichtsprozesses obliegt, in relativ freier Gestaltungsmöglichkeit, seine Zukunft zu formen. Das Versprechen beinhaltete eine vollkommenere Gesellschaft, in der Gleichheit herrschen würde, in der Kriege verschwänden, die Notwendigkeiten aufgehoben wären. Es war die Hoffnung, sich rational handelnd zu einem vernünftigen Prozess zu verhalten, der auf einen vernünftigen und menschlichen Zustand hinstrebt. Die Geschichte im Singular, wie sie am Ende der 18. Jahrhunderts erfunden wurde, trennte sich von den alten schicksalhaften Zukunftsvorstellungen und gab einen Verstehens- und Erwartungshorizont, um Fragen nach Politik, Gesellschaft und Menschsein Antworten und ein Ziel vorzugeben.1)Vgl. R. Koselleck, Über die Verfügbarkeit der Geschichte. In: R. Koselleck, Vergangene Zukunft, Frankfurt/M 1989. Sie war dabei immer mehr als nur bloßes Ideal oder eine Idee, die nur als Antrieb und Rechtfertigung für Politik ihre Berechtigung fand. Sie war gebunden an eine Erfahrung der technischen, sozialen und politischen Entwicklungen ihrer Zeit, der Erfahrung, dass man die Vergangenheit hinter sich lassen konnte, die Zukunft sich immer aufs Neue der alten Systeme der Ungerechtigkeit entledigen könnte. Wenn sie einerseits Orientierung geboten hat, setzte sie andererseits unglaubliche Kräfte frei. Sie kanalisierte Wut und den Willen zur Überwindung, gab Hoffnung und Gewissheit, dass man sich auf dem rechten Weg befand. (Weiterlesen)

Fußnoten   [ + ]

1. Vgl. R. Koselleck, Über die Verfügbarkeit der Geschichte. In: R. Koselleck, Vergangene Zukunft, Frankfurt/M 1989.

Corona und die Krise der Freiheit


von

Hier möchte ich die Weigerungen gegen die einschränkenden Maßnahmen in das Privatleben als Anlass nehmen, um einen Trugschluss aufzudecken, der die freie Gesellschaft mit der Verwirklichung der individuellen Freiheit gleichsetzt. Dafür kehren wir in das späte neunzehnte Jahrhundert zurück, das wie ein ferner Spiegel Auskunft über die sozialen Verhältnisse von Heute gibt.

In einer Stadtansicht auf den Pariser Boulevard des Capucines stellt Claude Monet sich eng beinander tummelnde Passanten dar (Abb. 1). Das Bild wirkt wie eine momenthafter Ausblick auf die Stadt, denn die Passanten wirken als ob sie strömen, doch sie stehen auf dem Platz. Hier ist die Wechselwirkung von Nähe und Distanz, die im Auge des Betrachters entsteht und die sozial historische Entwicklung von Seh- und Lebensgewohnheiten wichtig. Wenn man bedenkt, dass die Straßenansicht einen Ausblick aus dem Fenster darstellt, (davon müssen wir ausgehen, wenn man auf die gegenüberliegende Häuserfront blickt und die rechts im Bild herausschauenden Männerfiguren gewahrt) dann ist zunächst eine Distanz des Einzelnen Betrachters zu der Menschenmenge festzustellen. Die Betrachter dieses Bildes teilen so nicht nur den selben Ausblick wie den der herabblickenden Personen, sondern auch die Distanz zur Menge.

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Schönheit zum Anfassen nah!


von

Ein Gastbeitrag von Shahab Sanjari.

Schönheit zum Anfassen nah!

Schönheit und Kunstbegriff bei Schiller

 

Nackt ist die Schweizer Künstlerin Milo Moiré nicht, sie trägt anstatt eines Rockes eine Schachtel. Je nach Performance ist es manchmal auch ein ähnlich konstruiertes Oberteil. Die Schachtel ist undurchsichtig und außenseitig mit Spiegeln versehen; daher der Name der Performance: Mirror Box . Die einzige Verbindung zur Außenwelt ist eine Öffnung im Vorderbereich der Schachtel, aber selbst an dieser Stelle trennt ein kleiner schwarzer Vorhang die Außenwelt von dem Innenraum der Schachtel ab.

Die Künstlerin spaziert durch die Fußgängerzonen von Amsterdam, Düsseldorf oder London mit einer Stoppuhr und einem Desinfektionsspray. Sie oder ihr Assistent animieren mit einem Megafon Passanten dazu, durch die Öffnung im Vorderbereich der Schachtel zu greifen und ihren bloßen Schambereich zwölf Sekunden lang anzufassen, während in den Schachteln Videokameras den Vorgang aufnehmen.

Diejenigen, die sich animieren lassen, sind von verschiedenem Alter und Geschlecht. Sie befolgen ihre Anweisungen oft mit einem Lächeln oder einem vorsichtigen Blick. Moiré sorgt für viel Aufmerksamkeit: Menschen versammeln sich um sie herum, nehmen Fotos und Videos auf, um diese im Anschluss mit Freunden zu teilen. Manchmal filmt ein Assistent die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Diese Videos werden hinterher mit den Aufnahmen aus dem Innenraum der Schachtel (teilweise unkenntlich gemacht) zusammengeschnitten, sodass die Person und was ihre Hände in der Schachtel machen gleichzeitig zu sehen sind.

Nicht alle Passanten nehmen aktiv an dem Kunstwerk teil, viele beobachten nur. Manche verweilen länger und verarbeiten was sie sehen. Die Reaktionen variieren zwischen Respekt und Verachtung, Empörung und Indifferenz, Lust und Ekel. Manche beschäftigt die Frage nach der Moral und der Rechtmäßigkeit einer solchen Aktion und einige stoßen an die Grenzen ihrer eigenen sittlichen Akzeptanz. Moiré selbst sagt oft gar nichts, sie steht nur da, lächelt die Passanten an, dreht sich in einer langsamen, tanzähnlichen Art, nickt den Kopf einladend und wartet. Die Beobachterinnen und Beobachter verlassen die Szene teils mit Staunen, aber sicher mit dem Nachklang eines Eindrucks und einer Botschaft, die sich vielleicht erst später in ihren Gedanken herauskristallisieren wird.

Dass es sich hierbei um ein Kunstwerk handelt, will man kaum bezweifeln, aber zugegebenermaßen entspricht das Werk in seiner Gesamtheit und Zusammensetzung nicht unbedingt der traditionellen Vorstellung von einem solchen. Die Frage ist, was genau aus dieser Performance ein Kunstwerk macht?

Niemand geringeres als Friedrich Schiller hat eine Antwort darauf; der Großmeister der Lyrik und des Theaters, der sich vor zwei Jahrhunderten der Beschreibung der Schönheit, Ästhetik und Kunst und deren Einwirkungen auf die Erziehung, Politik und Gesellschaft gewidmet hat. Basierend auf dem Grundgedanken von Immanuel Kant ebnete er mit seinen Schriften den Weg für viele Philosoph/innen, die in den nachfolgenden Jahrzehnten auf dem Gebiet der Kunst und der ästhetischen Theorie arbeiteten. (Weiterlesen)


Ein Diogenes von heute – Nachruf auf einen kürzlich verstorbenen Freund


von

Veranstaltungsbild der Dada-Gala im Juni 2016. Vermutlich von Zassi gestaltet.

Man nannte ihn kurz „Zassi“ und bei diesen Namen möchte ich es auch belassen. Er verwendete ihn auch selbst stets und was eigentlich sein wirklicher bürgerlicher Name ist, weiß ich ebenso wenig wie beispielsweise, in welchem Alter er eigentlich genau verschieden ist. Auf jeden Fall zu früh – wie ja bekanntlich die meisten, die etwas taugen. Ich erfuhr von seinem Tod erst mit einigen Wochen Verspätung, wie selbst seine wenigen Angehörigen, da er in seiner zweiten „Heimat“ Thailand an den Folgen eines Badeunfalls verschied. Er starb am 29. Juni, ich erfuhr es irgendwann im August während meines diesjährigen Urlaubs, als ich aus Langeweile eine schon lange nur noch unregelmäßig genutzte E-Mail-Adresse „checkte“, wie es heißt.

Ich kann nicht sagen, dass ich mich Zassi wirklich eng befreundet gewesen wäre. Ich könnte fast sagen, dass ich ihn in einem „anderen Leben“ kennenlernte, als ich als junger Student in Frankfurt am Main in einem autonomen Hausprojekt namens „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (kurz: IvI) engagiert war, in dem er wohnte und eine Art „Hausmeisterrolle“ einnahm. Das ist nun über zehn Jahre her und seitdem ich vor einigen Jahren aus Frankfurt weggezogen bin, habe ich zu Zassi nur noch unregelmäßigen Kontakt per E-Mail gehabt. Was immerhin etwas heißen will, denn zu den allermeisten meiner damaligen Bekannten habe ich mittlerweile überhaupt keinen Kontakt mehr.

Wenn ich „Hausmeister“ schreibe, ist das freilich ein wenig zu kurz gegriffen. Er war zugleich eine Art „Sozialarbeiter“. Er hielt sich aus allem heraus und sprach mit jedem. Mich nahm er geradezu ein wenig „väterlich“ an der Hand und gab mir einige gute Ratschläge auf den Weg. Über alle Intrigen, persönlichen Befindlichkeiten und politischen Zankereien hinweg betonte er das aus seiner Sicht Wesentliche: Dass die Abschaffung des Kapitalismus und mit ihm aller Herrschaft das Ziel sein müsse und dass man im IvI in ästhetischer wie praktischer Form bereits jetzt gemäß den Prinzipien jener kommenden Welt leben müsse. Dieses Prinzip predigte er freilich nicht, sondern er lebte es einfach vor. Er war ein Ruhepol und eine moralische Autorität – ohne ihn wäre das IvI, davon bin ich fest überzeugt, bereits wesentlich früher zusammengebrochen als es geschah (im physischen wie im psychischen Sinne). (Weiterlesen)


It’s Istanbul, not Constantinople 💁


von

Marx‘ 18. Brumaire beginnt mit dieser schönen, oft zitierten Stelle: „Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.“ Als Erdoğan vor einigen Wochen angekündigt hatte, den Museumsstatus der Hagia Sophia aufzuheben und das Gebäude wieder zu einer Moschee umzuwidmen, und die europäische Rechte zur Rettung des Abendlands am Bosporus aufrief, wurde ich unweigerlich an diese Zeilen erinnert. Dass diese Verteidiger sich kaum entscheiden können, ob sie lieber das Christentum oder den Säkularismus retten wollen, ist ein Akt dieser Komödie, der verletzte Sultanstolz, der aus dem Irren vom Bosporus spricht, ein anderer und ich weiß wirklich nicht, welcher mich mehr zum Lachen bringt.

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Immer diese Popmusik…


von

…nur mehr schräge Töne, kein Sinn mehr für das Schöne!

Wo habe eigentlich diese ganzen Antilopengangs, Egotronics und Slimes je so ehrlich für die Psychiatriekritik Partei ergriffen wie Freiwild?

Neuerdings ist es gar nicht mehr so illegal, im Supermarkt einzuklauen, so lange man seine Maske trägt.

Angesichts der BLM-Proteste stelle ich mir mehr und mehr die Frage, was es eigentlich heißt, ein guter Verbündeter zu sein. Mit Höflichtkeit wird man des wohl kaum erreichen,

Hat die Linke ihren Punk verloren? Mir kommt es so vor, aber vielleicht bin ich auch nur irgendein dummes Arschloch.

Aber vielleicht genügt es der Linken ja auch, den Ausnahmezustand mit zu verwalten. Souverän ist das allemal.

Hab ich schon erwähnt, dass es mir in dieser SCHEISSGESELLSCHAFT völlig WURSCHT ist, ob ich morgen an CORONA VERRECKE?


Für immer Antifa…


von

So sehr einen die konformistischen SPD-Rebellen in Deutschland auch nerven, wenn ich gerade in die USA sehe wünschte ich, ich hätte die Antifa-Aufkleber an meiner Tür nicht abgemacht.

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